6. July 2026 • Myths and Facts • Unkategorisiert

Mythen und Fakten

Stadttauben und die Legende der «Überpopulation»

Ein häufiges Argument für rigorose Massnahmen gegen Stadttauben ist die angebliche Überpopulation. Doch wissenschaftliche Zählungen und biologische Erkenntnisse stellen dieses verbreitete Bild infrage.

Dass Taubenschwärme in Innenstädten oft riesig wirken, kann einen falschen Eindruck von der tatsächlichen Populationsgrösse vermitteln. Durch grossflächige Abwehrmassnahmen an Gebäuden und strikte Fütterungsverbote werden die Vögel vielerorts verdrängt. Sie konzentrieren sich dadurch an den wenigen verbleibenden Orten, an denen sie noch rasten oder Nahrung finden können.

Ein historisches Beispiel aus der Schweizer Stadt Biel zeigt diese Diskrepanz eindrücklich: Während Befürworter kommerzieller Bekämpfungsmassnahmen die Population auf bis zu 15’000 Tiere schätzten, ergab eine Zählung maximal 1’500 Vögel. Solche erheblichen Unterschiede zeigen, wie stark die wahrgenommene Zahl von Stadttauben von der tatsächlichen Populationsgrösse abweichen kann.

Auch Tötungsaktionen und Futterentzug sind für eine nachhaltige Bestandsreduktion problematisch. Stadttauben können sich auch unter schlechten Ernährungsbedingungen und erheblichem Stress weiter fortpflanzen. Futterentzug allein bietet deshalb keine verlässliche Grundlage für eine tierschutzgerechte und nachhaltige Bestandsregulierung und kann erhebliches Tierleid verursachen.

Eine langfristige Regulierung lässt sich stattdessen durch betreute Taubenschläge und gezielten Eieraustausch erreichen. Dabei erhalten die Tiere geeignete Brutplätze und können kontrolliert versorgt werden, während die Gelege durch Attrappen ersetzt werden. So kann der Bestand gezielt und tierschutzgerecht beeinflusst werden.

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