
Stadttauben in Luzern
Fütterungsverbot statt nachhaltigem Management
Im Mai 2025 sorgten die Stadttauben am Bahnhof Luzern für Schlagzeilen. Ein grösserer Schwarm hielt sich regelmässig im Bahnhof auf, worauf die SBB mit Plakaten gegen das Füttern, häufigerer Reinigung und Vergrämungsmassnahmen reagierte. Bemerkenswert war jedoch die Einschätzung der Stadt selbst: Die Gesamtzahl der Stadttauben sei einigermassen stabil geblieben. Vermutet wurde vielmehr, dass sich ein Teil der Population innerhalb der Stadt zum Bahnhof verschoben hatte.
Zwei Taubenschläge für mehrere Tausend Tauben
Luzern beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit seinen Stadttauben. Nach Angaben der Stadt lebten 2015 schätzungsweise 2’000 bis 3’000 Tiere in Luzern. Ihnen stehen lediglich zwei Taubenschläge mit Brutplätzen für insgesamt rund 180 Paare zur Verfügung. Eine artgerechte Fütterung findet in diesen Schlägen nicht statt.
Damit unterscheidet sich das Luzerner Konzept wesentlich von betreuten Taubenschlägen nach dem Augsburger Modell. Dort bilden geeignete Standorte, kontrollierte Fütterung, Betreuung und konsequenter Eiertausch ein Gesamtsystem. Die Tauben sollen möglichst viel Zeit im Schlag verbringen, wodurch zugleich ein grosser Teil des Kots kontrolliert entsorgt und die Fortpflanzung reguliert werden kann.
Fütterungsverbot als zentraler Bestandteil
Im Kanton Luzern ist die Fütterung wildlebender Vögel bewilligungspflichtig. Dass diese Regelung auch gegenüber Stadttauben durchgesetzt wird, zeigte sich 2023 besonders deutlich: Eine über 90-jährige Frau wurde nach wiederholtem Füttern von Tauben mit 100 Franken gebüsst.
Biologisch handelt es sich bei Stadttauben jedoch nicht um ursprüngliche Wildvögel, sondern um Nachkommen domestizierter Haustauben. Gerade deshalb ist die Strategie des Futterentzugs umstritten. Im Mai 2025 widersprachen Tierschützerinnen öffentlich der Luzerner Praxis und forderten stattdessen ausreichend betreute Taubenschläge mit artgerechter Versorgung und Geburtenkontrolle.
Der Bahnhof zeigt die Grenzen des Systems
Die Situation am Bahnhof macht ein grundsätzliches Problem sichtbar. Vergrämungsmassnahmen können verhindern, dass Tauben bestimmte Flächen nutzen. Die Tiere selbst verschwinden dadurch jedoch nicht. Die SBB setzt nach eigenen Angaben unter anderem Netze, Nagelbänder und Stahlkabel ein und versucht gleichzeitig, Nahrungsquellen zu reduzieren.
Wenn die Gesamtpopulation gleichzeitig weitgehend stabil bleibt, kann sich der Konflikt lediglich verlagern. Genau darauf deutete 2025 auch die Einschätzung der Stadt hin: Am Bahnhof wurden mehr Tauben beobachtet, ohne dass bei den regelmässigen Zählungen insgesamt eine entsprechende Zunahme festgestellt worden wäre.
Es fehlt ein umfassendes Taubenmanagement
Luzern verfügt mit seinen beiden Taubenschlägen bereits über eine Infrastruktur, auf der aufgebaut werden könnte. Gemessen an einer Population von mehreren Tausend Tieren bieten Brutplätze für rund 180 Paare jedoch nur einem kleinen Teil des Bestands Platz.
Ein umfassendes Konzept würde die Tauben nicht nur von unerwünschten Orten fernhalten, sondern ihnen gleichzeitig geeignete Alternativen bieten. Ausreichend dimensionierte betreute Taubenschläge, artgerechte Fütterung und konsequenter Eiertausch könnten die Tiere an kontrollierte Standorte binden und ihre Fortpflanzung langfristig regulieren.
Der Konflikt am Bahnhof ist deshalb weniger ein isoliertes «Taubenproblem» als ein Hinweis auf die Grenzen des bisherigen Systems. Solange ein grosser Teil der Luzerner Stadttauben ausserhalb betreuter Strukturen lebt, werden die Tiere weiterhin dort Nahrung, Schutz und Brutplätze suchen, wo sie diese finden.











