
Stadttauben bei SRF Einstein
Was Tauben zu unterschätzten Genies macht
Im September 2021 widmete sich die SRF-Wissenssendung «Einstein» unter dem Titel «Tauben – Plage oder Genie der Navigation?» dem Thema Stadttauben und zeichnete dabei ein Bild, das weit über das gängige Klischee der «Ratten der Lüfte» hinausgeht. Die Doku zeigt sowohl das Berner Taubenmanagement als auch die erstaunlichen kognitiven Fähigkeiten der Tiere. Ab Minute 17:20 kommt auch unsere damalige Sprecherin Sabine R. zu Wort.
Bern im Fokus
«Einstein» begleitete eine Tierpflegerin auf ihrer Tour durch die städtischen Taubenschläge. Bern setzt dabei auf kontrollierte Fütterung, Gesundheitschecks und die chirurgische Sterilisation männlicher Tauben – ein Ansatz, der sich vom Augsburger Modell unterscheidet: Während dort der systematische Eiertausch gegen Attrappen im Zentrum steht, erfordert die Berner Methode einen medizinischen Eingriff an jedem einzelnen Tier. Beide Ansätze verfolgen dasselbe Ziel – weniger Nachwuchs –, wählen dafür aber unterschiedliche Mittel.
Unterschätzte Fähigkeiten
Der zweite Schwerpunkt der Doku liegt auf den kognitiven Leistungen der Tiere. Tauben können in Versuchen eine grosse Zahl von Bildern unterscheiden und sich diese merken, korrekte englische Wörter erkennen und sogar zwischen den Werken von Picasso und Monet unterscheiden.
Auch ihr Orientierungssinn ist bemerkenswert: Brieftauben können über grosse Distanzen zu ihrem Heimschlag zurückfinden und nutzen dabei verschiedene Orientierungshilfen. Dazu gehören unter anderem der Sonnenstand und Gerüche; auch eine Orientierung am Erdmagnetfeld und anhand von Infraschall wird wissenschaftlich untersucht. Wie die verschiedenen Mechanismen zusammenspielen, ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Sabine R.: «Es sind intelligente Tiere»
Ab Minute 17:20 kommt unsere damalige Sprecherin Sabine R. zu Wort, die in Bern selbst Tauben füttert und von den Tieren erkannt wird. Sie betont die Verantwortung der Städte. Da Stadttauben nicht an die betreuten Schläge gebunden sind und diese nicht automatisch aufsuchen, brauche es gezielte Zusatzfütterungen. Städte stünden hier in der Pflicht, gerade weil es sich bei Stadttauben nicht um Wildtiere, sondern um Nachkommen domestizierter Tauben handle. Ihre Kritik: Es könne nicht sein, dass man ein Nutztier einfach aussetze und dann erwarte, dass es selbst zurechtkomme.
Zudem ordnet sie die seit rund 30 Jahren laufende Diffamierung von Tauben historisch ein und fordert, dass diese endlich ein Ende findet. Abschiessen, Vergrämen oder Verhungernlassen bezeichnet sie als nicht tierschutzgerecht und vor allem wirkungslos, da frei werdende Plätze innerhalb kürzester Zeit von Jungtauben wieder besetzt würden.
Bemerkenswert ist auch ihre persönliche Erfahrung beim Füttern: Trotz des medialen Wirbels um das Thema begegnen ihr die Menschen überwiegend freundlich, mit mehr Lächeln und wohlwollenden Blicken als mit Kritik.
Fazit
Die «Einstein»-Doku von September 2021 zeigt zweierlei: Bern beweist, dass eine langfristige kommunale Zuständigkeit und betreute Taubenschläge grundsätzlich funktionieren können, wenn auch mit einer aufwendigeren Methode als dem Eiertausch. Und die Forschung zu den kognitiven Fähigkeiten der Tiere zeigt, dass hinter dem oft verachteten Stadtvogel weit mehr steckt, als das gängige Vorurteil vermuten lässt.
Mit Sabine R. war unser Verein Teil dieser Diskussion und konnte die zentrale Botschaft einbringen, die uns bis heute begleitet: Stadttauben sind Nachkommen domestizierter Tauben, und die Verantwortung für ihren Umgang liegt bei uns Menschen, nicht bei den Tieren selbst.

Our comprehensive guide is based on the Augsburg Model and shows how managed pigeon lofts can be implemented efficiently and humanely in Switzerland.











