
Stadttauben und Stadtpolitik
Warum Fütterungsverbote für Stadttauben scheitern
Viele Städte reagieren auf Beschwerden über Tauben mit einem Fütterungsverbot. Doch dieser Schritt löst das Problem nicht. Zu diesem Schluss kam der mittlerweile verstorbene Rudolf Reichert von der Bundesarbeitsgruppe (BAG) Stadttauben in seiner grundlegenden Analyse. Reichert rief 1995 in Augsburg ein Konzept zur tierschutzgerechten Regulierung von Stadttauben ins Leben. Aus dieser Pionierarbeit entstand das heute weithin bekannte und erfolgreiche «Augsburger Modell». Seine wegweisende Analyse und seine langjährige Praxiserfahrung zeigen klar, warum Fütterungsverbote der falsche Weg sind.
Verbote sind unwirksam
Ein Fütterungsverbot reduziert die Anzahl der Tauben nicht nachhaltig. Die Vögel ernähren sich in den Städten ohnehin massgeblich von den Abfällen der Gastronomie. Ein Verbot trifft somit nicht die eigentliche Nahrungsquelle, sondern vor allem jene Menschen, die artgerechtes Körnerfutter streuen. Zudem lassen sich solche Verbote in der Praxis kaum kontrollieren. Der personelle und finanzielle Aufwand für flächendeckende Kontrollen ist für Kommunen schlicht zu hoch.
Verstoss gegen den Tierschutz
Stadttauben sind keine Wildtiere, sondern verwilderte Haustiere. Der Mensch hat ihnen einen ganzjährigen Brutzwang angezüchtet. Die Tauben brüten auch dann, wenn sie hungern. Reicht das Futter nicht aus, können die Jungtiere im Nest einen qualvollen Hungertod sterben. Ein strikt durchgesetztes Fütterungsverbot kann somit faktisch zu einer Reduzierung der Tiere durch Verhungern führen.
Zudem zwingt der Nahrungsmangel die Tiere dazu, ungesunde Abfälle zu fressen. Dies kann zu Darmerkrankungen und flüssigem Kot führen, der Gebäude stärker verschmutzt. Erhalten die Tauben stattdessen gesundes Körnerfutter, ist ihr Kot in der Regel fester und trockener.
Aggression statt Aufklärung
Fütterungsverbote belasten das gesellschaftliche Klima. Sie fördern Denunziation und schüren Konflikte zwischen Bürgerinnen und Bürgern. In Städten mit Fütterungsverboten wird in den Medien oft negativ über die Tiere berichtet. Das Resultat: Die Vögel werden zur Zielscheibe von Aggressionen. Ein respektvoller Umgang mit Tieren wird so zusätzlich erschwert.
Die Lösung: Das Augsburger Modell
Die wirksame Alternative zum Fütterungsverbot sind betreute Taubenschläge, wie sie Rudolf Reichert mit dem Augsburger Modell etabliert hat. In diesen Schlägen erhalten die Tauben artgerechtes Futter und sauberes Wasser. Dadurch halten sie sich einen grossen Teil der Zeit im Schlag auf und weniger auf den Strassen.
Der entscheidende Vorteil: Die frisch gelegten Eier werden in den Schlägen gegen Gipseier ausgetauscht. So lässt sich die Population tiergerecht und nachhaltig regulieren. Wildes Füttern an ungeeigneten Plätzen wird durch dieses Konzept weitgehend überflüssig.

Our comprehensive guide is based on the Augsburg Model and shows how managed pigeon lofts can be implemented efficiently and humanely in Switzerland.











