16. August 2026 • Management • Germany • Unkategorisiert

Studien und Praxis

Augsburger Modell für Stadttauben: Was die grosse Umfrage zeigt

Betreute Taubenschläge nach dem Augsburger Modell werden seit Jahren als tiergerechte Alternative zu Vergrämung und Tötung eingesetzt. Doch funktionieren sie auch in der Praxis? Eine gross angelegte Umfrage von Menschen für Tierrechte hat genau diese Frage untersucht. Befragt wurden Tierschutzvereine, Stadttaubeninitiativen sowie Veterinär- und Ordnungsämter. Insgesamt flossen bis zu 129 Fragebögen aus 71 Städten in die Auswertung ein.

Die Mehrheit bewertet die Taubenschläge als erfolgreich

Das Ergebnis fällt insgesamt positiv aus: Die Mehrheit der Befragten aus Städten mit betreuten Taubenschlägen bewertete die Projekte als erfolgreich. In zehn von 21 näher ausgewerteten Städten hatte sich die Situation an den Tauben-Hotspots zumindest eher entschärft. Ein Rückgang der gesamten städtischen Population wurde dagegen nur in rund einem Drittel der Städte wahrgenommen. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass vielerorts längst nicht alle Brennpunkte durch Taubenschläge abgedeckt werden.

Wie deutlich die Wirkung lokal sein kann, zeigen einzelne Praxisbeispiele. In Augsburg befanden sich zum Zeitpunkt der Umfrage zwölf Taubenschläge mit geschätzt rund 1’100 Tauben – etwa 63 Prozent des städtischen Bestands. Als Ergebnis wurden nur noch geringe Tauben-Hotspots angegeben. Gleichzeitig wurden jährlich Tausende Eier ausgetauscht und rund fünf Tonnen Taubenkot kontrolliert aus den Schlägen entfernt.

Ein Taubenschlag allein reicht nicht

Besonders interessant ist, warum manche Projekte besser funktionieren als andere. Ein entscheidender Faktor ist der Standort: Der Schlag muss möglichst dort eingerichtet werden, wo sich bereits ein Tauben-Hotspot befindet. Fehlen geeignete Standorte, können weitere Schwärme nicht eingebunden werden. Ebenso wichtig sind die Kontrolle wilder Brutplätze, der regelmässige Eiertausch und eine zuverlässige Betreuung.

Genau hier liegen auch die grössten Probleme. Die Umfrage nennt insbesondere fehlende Standorte, unzureichende Finanzierung und mangelndes Betreuungspersonal. Erfolgreiches Stadttaubenmanagement ist deshalb kein Projekt, das allein auf ehrenamtliche Helferinnen und Helfer abgewälzt werden kann. Die Auswertung kommt vielmehr zum Schluss, dass finanzielle und organisatorische Unterstützung durch die Kommune entscheidend ist.

Was die Umfrage belegt – und was nicht

Die Untersuchung ist kein kontrolliertes wissenschaftliches Experiment. Die Daten wurden deskriptiv ausgewertet und beruhen ausdrücklich auf den Einschätzungen der Teilnehmenden. Sie beweist deshalb nicht, dass jeder Taubenschlag automatisch zu einer bestimmten prozentualen Bestandsreduktion führt.

Ihre Stärke liegt woanders: Die Erfahrungen aus zahlreichen Städten zeigen, dass das Augsburger Modell praktisch umsetzbar ist und bei konsequenter Umsetzung funktionieren kann. Die Autoren kommen zum Schluss, dass es in mehreren Städten gelungen ist, Taubenzahlen und damit verbundene Probleme an Brennpunkten – teilweise auch darüber hinaus – zu reduzieren.

Fazit

Die Stadttauben-Umfrage zeigt vor allem eines: Das Augsburger Modell ist mehr als eine theoretische Idee. Betreute Taubenschläge können Tauben an geeigneten Standorten binden, ihre Fortpflanzung durch Eiertausch kontrollieren und Konflikte an Brennpunkten reduzieren. Entscheidend ist aber, dass Städte das Konzept nicht halbherzig umsetzen. Es braucht geeignete Standorte, genügend Schläge, eine verlässliche Betreuung und eine langfristige Finanzierung.

Damit liefert die Umfrage ein wichtiges Argument für eine Erkenntnis, die in der Stadttaubenpolitik oft übersehen wird: Nicht das Modell scheitert zwangsläufig – häufig fehlt es an den Voraussetzungen für seine konsequente Umsetzung.

1Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e. V. (2021) – Erfahrungen mit Stadttaubenprojekten nach dem „Augsburger Modell“ und Praxisbeispielehttps://stadttauben.ch/wp-content/uploads/2021_MfT_Stadttauben-Umfrage_final.pdf